Wie kommt man darauf, Vespaakrobatik zu versuchen?

Bei unseren Recherchen in alten Archiven zum Thema Vespa sind immer wieder einige Schwarz-Weiß-Bilder aufgetaucht, auf denen Menschen, in besonderer Kleidung, Kunstücke, auf Rollern, vorgeführt haben. Bei der Organisation des Treffens 1996 kamen wir auf die Idee, das das eine tolle Darbietung für unsere Gäste wäre. Bei der Suche nach einem geeigneten Team mußten wir leider festellen, das es so etwas nicht mehr gab. Es ließen sich zwar noch einige ehemalige Atleten auftreiben, aber die waren zu alt oder hatten das schon 40 Jahre nicht mehr gemacht.

So besann man sich und probierte es selber.

Die Recherchen zu diesem Thema brachten Licht in die die Geschichte der Akrobatik auf Vespa Rollern:

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Die Geschichte der Vespa-Akrobatik beginnt am Anfang der 50er Jahre mit einem kleinen Werksteam der A.C.M.A. – Werke aus Fourchambeault in Frankreich. Dieses Foto zeigt sie beim klassischen Vierer auf einer 51er A.C.M.A auf dem Titelblatt des Piaggio revista No. 20 (”Werksnachrichten”) vom August 1952.

 

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Ungefähr ein Jahr später werben in dieser Werbeschrift für die internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main Akrobaten aus Deutschland für die Straßenlage und die gute Gewichtsverteilung einer 52er Hoffmann Vespa. Über technische Änderungen an den Fahrzeugen dieser Zeit ist uns nichts bekannt.


PIAGGIOwerksteam

Mitte der 50er Jahre betritt das Piaggio-Werksteam aus Pontedera die Bühne. Sie fuhren bis 1965 hauptberuflich Akrobatikshows. Sie waren auch die Ersten, die an einem Gespann den Radwechsel am Beiwagen während der Fahrt demonstrierten.
Ihre Roller wurden technisch nicht verändert. Sie fuhren nur mit blockierten Gasrückholfedern und mehr Druck in den Reifen.

 

Britain leads up1955/56 war der Höhepunkt der Vespaakrobatik. Der englische Thamse-Valley-Vespa-Club (club no.22) unter der Führung Spike Edwards und Thomas Beaham zeigten Vorführungen mit bis zu 13 Personen auf einem Fahrzeug. Sie wurden von der Firma Douglas Vespa unterstützt und bekamen für ihre Shows zwei T1 gestellt. spain-lost02Diese beiden Fahrzeuge wurden mit extra langen Gepäckträgern hinten und einem zum Sitz umfuntionierten vorderen Kotflügel versehen. Alle Blechteile wie Backen und Trittbretter wurden verstärkt, damit die Zuladung von bis zu 1000 kg getragen werden konnte.
Von diesen beiden Rollern ist uns einer bekannt, der 1968 für 15 2maschinen viele menschenPfund den Besitzer wechselte! Das Akrobatikteam des Thamse-Valley-Vespa-Club war das einzige, das auf Wiesen auftrat. Sie fuhren zusätzlich noch eine Art “Fahrzeugbalett”, wovon auch Filmaufnahmen erhalten sind.
Bei vielen Auftritten in England und Irland stellten sie immer wieder ihr außergewöhnliches Können unter Beweis.

 

 

 

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In Frankreich gab es in den späten 50ern gleich mehrere Clubs, die ein Akrobatikteam betrieben: Das war der V.C. Bergerac unter der Leitung von Denis Bacogne, der V.C. Cannes-Cote d´Azur, und der V.C. Paris.

Hier einige Bilder vom Vespaclub Cannes:

 

 

spanien arena copyIn Spanien gab es von 1955 bis ca. 1960 ein Akrobatikteam des Vespa-Club Barcelona, das von Jorge Balart unterstützt wurde. Er war damals der größte Vertriebspartner von Piaggio in Spanien. Die Akrobaten lagen immer im Wettstreit mit den Enländern um die waghalsigste Show. Die Spanier konnten den Radwechsel am Beiwagen genauso wie sich in der Stierkampfarena als Bandalieros fahren. Sie waren die einzigen, die auf Sand auftraten.

 

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In Deutschland gaben die Akrobaten des Vespa Clubs Pforzheim große und viele Auftritte. Ihr Team fuhr auf handelsüblichen Vespa GS3. Das Highlight ihrer Show waren 13 Personen auf vier Fahrzeugen.

 

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In dieser Zeit schon, gab es in München ein Akrobatik Team, hier auf Vespa T1.

 

 

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 Hier die Münchner bei einem Besuch in Lintdorf, im Stammwerk der Hoffmann-Vespa.

 

 

 

 

Es wurden sogar Wettkämpfe in dieser Disziplin ausgetragen:

 

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Mit der Zeit verlor diese Darbietung ihre Faszination und gerit leider in Vergessenheit.

Aber nicht mit uns!