So lautete der Titel eines Berichts in der SZ vom 25. September 1956.hochzeitszug1

Der „Club der Münchener Vespa-Freunde“, der jüngste, aber wahrscheinlich der bereits größte unter den fünf Münchener Rollerclubs – entwickelt eine ungewöhnliche Aktivität. Vier Neuhauser Vespafahrer (Hans L. Meyer, Theo Ranzinger, Franky Schwaiger, Heinrich Steiner) hatten, um am Europatreffen (am 10. Juni) teilnehmen zu können, am 22. März diesen Jahres in einer Weinstube an der Donnersbergerstraße den Club gegründet. Kaum zu einem Club zusammengewachsen, hatten 15 Clubmitglieder beim Europatreffen auf dem Königsplatz ihre Kunstfertigkeit als Kunstfahrer gezeigt und dafür vom Präsidenten des Vespa Clubs von Europa, dem Iatliener Dr. Fassinare, einen Pokal bekommen. Nach vier Monaten hatte der Club bereits 80 Mitglieder, bei jedem Clubabend meldeten sich mindestens 10 neue Mitglieder. Für den Aufschwung verantwortlich: Werbung. Jedes Mitglied hat sein Bündel Werbezettel in der Tasche. Es ist zum Sport geworden jedem Vespafahrer auf der Straße nachzufahren, jeder parkenden Vespa einen Zettel anzustecken. Tag für Tag „rollt“ die Clubwerbung. Trotzdem meint Vorstand Wolfgang Schramm, 27, dass man ruhig noch etwas mehr für di Propaganda tun könnte. Bei der letzten Clubversammlung schlug er monatliche Korsofahrten vor. Der Vorschlag wurde angenommen und bis zum Winter wird der „Club der Münchner Vespafreunde“ unter Geleit der Verkehrspolizei all monatlich eine zweistündige Werbefahrt „in voller Kriegsbemalung“, das heißt mit Vespaband vorn, Schutzschild, Fähnchengarnierung und Luftballons durchführen. Dazu kommen noch zwei nette Einlagen, je eine Korsofahrt für „Joe“ und „Jo“.
Joe Johnson, ein Amerikaner aus Michigan, und Elli, eine gebürtige Erdingerin, beide begeisterte Clubmitglieder, machen „Vespa-Hochzeit“. Beide haben schon ihre vierte Vespa, Joe hat bereits 100000 Vespa-Kilometer heruntergerollt und Elli ist sogar eine Vespa-Berühmtheit. Sie ist „Deutschlands erste Vespafahrerin“ („Die Papiere habe ich immer in der Tasche, damit ich´s jederzeit beweisen kann.“). Joe hat einen amerikanischen Straßenkreuzer, der aber bei der Hochzeit in der Garage bleibt. Mit zwei Vespas wird Brautpaar Joe und Elli demnächst bei Kirche und Standesamt vorfahren. Der Club der Münchner Vespa Freunde rollt mit geschmückten Vespas hintennach. Anschließend machen Joe und Elli eine „Vespa-Hochzeitsreise“ durch Europa.
Ein weiterer Korso gilt „Jo“. Bei der vor einigen Tagen erfolgten Gründung der Sektion Schliersee des Clubs wurde der Schriftsteller Jo Hanns Rösler als jüngstes Clubmitglied aufgenommen und ihm die Ehrenpräsidentschaft angetragen. Geschlossen wird der Club demnächst seinen „Vespa-Präsidenten Jo“ an der Autobahnausfahrt abholen. Ein Vespa-Ball mit Wahl einer Vespa-Königin, und zwei neuen Vespas als Tombolagewinnen, steht bereits jetzt auf dem Faschingsprogramm.
Die Clubabende finden jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat um 20 Uhr im Nebenzimmer der Pschorr-Bräu-Bierhallen statt. Für zwei Mark Monatsbeitrag bietet der Club Geselligkeit, Ausfahrten, Vergünstigungen bei Clubhändlern, Vorträge und die Clubzeitschrift. Die derzeitige Vorstandschaft besteht aus: Wolfgang Schramm, Ing. Bieber (1., 2. Vors.), Theo Ranziger, Peter Winter (Kassier, Schriftführer), Franz Schwaiger (Sportwart). Für kostenlose technische Beratung steht Bruno Seitz zur Verfügung. Er ist im Wohnwagen geboren und hat vom Raubtierkäfig auf Vespa-Pflegedienst umgesattelt. Bruno Seitz war nämlich Dompteur.
Einen solchen Korpsgeist wie unter Vespafahrern, so behauptet Vorstand Schramm, gebe es sonst nirgends. „Keiner macht so viel Klimbim an sein Fahrzeug hin; jeder Vespafahrer wird mit ´tüt-tüt´ begrüßt. Daneben haben wir noch ein Ziel: durch beste Disziplin im Straßenverkehr aufzufallen.