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Milano-Taranto 2013

Milano-Taranto 2013,  07.-13. Juli 2013

Das Deutsch-Österreichische Team:

Startnummer 26, Michi Glas, GS150 VS1,

Startnummer 27, Franz Schmalzl,  SS180,

Startnummer 28, Robin, SS90,

Startnummer 29, Wini, GS160.

Meine Vorbereitung im Juni: Da die GS schon den Giro Vespistico ohne Probleme absolviert hatte, sollte mechanisch nichts fehlen. Gemacht wurden nur eine Inspektion und neue Bremsbeläge; eine komplette Zündung als Ersatz wurde beschafft und getestet.

So 07.07. , Anfahrt

Morgens 10 Uhr soll es am Clublokal los gehen. Habe alles in einen Treckingrucksack gepackt und fahre mit dem Roller nach M. Das Wetter ist bestens und der Wetterbericht verspricht für Italien das gleiche für die gesamte nächste Woche. Wir packen wir die SS und die GS in den Touran. Ist in einer halben Stunde erledigt. Der Robin weiß schon, was in sein Auto reinpasst. Ich hätte gern den Gegenwert der Roller, die Robin schon im Touran transportiert hat…

Am Nachmittag treffen wir in Milano Idroscalo, einem künstlichen See direkt neben dem Mailänder Flughafen ein. Wir treffen Franz und Michi mit ihren toprestaurierten GS und SS. Michi hat wg Motorproblemen bis zur letzten Minute arbeiten müssen. Das „Motorspalten“ wird für die gesamte Tour zum geflügelten Wort. Wir müssen die Zeit totschlagen bis zum Start um 24:00. Das See-Cafe mutiert nach einer kurzen Schließung zu Disco. Wir bleiben sitzen und schauen uns die Balanceübungen der überwiegend sehr jungen Mädels auf ihren 12 – 15cm-Stöckelschuhen an.

Ein paar dunkle Wolken umkreisen Milano, es sollte aber erstmal trocken bleiben.

Mo, 08.07. 1. Etappe, Mailand – Imola, 333km

 Nachtetappe, Start ab Mitternacht, Zielankunft  ab 11:00. Wir starten kurz hinter der kleinen Klasse mit 75 u. 100ccm und den Gespannen. Franz und ich haben zusätzlich LED-Fahrradlampen montiert. Durch die Poebene geht´s auf größeren Straßen, in den Nachtstunden sind wir fast alleine auf den Straßen. Es ist nicht so dunkel, wie ich befürchtet hatte, auf den meisten Straßen glimmen irgendwelche Leuchtreklamen oder Straßenbeleuchtungen vor sich hin. Trotzdem sehr beruhigend, daß wir keine Panne im haben, im Dunkeln Schrauben ist kein Spaß.

Die Nacht geht schnell rum, das Fahren in der Morgendämmerung bei Null Verkehr in einem fremden Land ist eine aufregende Erfahrung. Die Müdigkeit macht sich in den Morgenstunden dann doch bemerkbar, in den Pausen sieht man überall Gestalten in den unmöglichsten Posen, um sich ein paar Minuten Schlaf zu holen.

Die Roller und die Fahrstile passen hervorragend zusammen, die Geschwindigkeiten sind ungefähr gleich, nur die GS vom Michi wird noch etwas gezügelt.

Unterwegs können wir in einer Etappenpause noch ein Motorrad- Rennsportmuseum bei Bologna besuchen (www.poggibike.com, Villanova di Castenaso). Sehr schön.

Wir sind frühzeitig im Hotel Donatello und können uns ausreichend erholen, der Pool ist allerdings ein Witz.

 

Di, 09.07., 2.Etappe, Imola – Assisi, 319km

Vormittags auf Hauptstraßen an der Adria entlang, das Meer nicht zu sehen ist schon etwas enttäuschend. Bei meiner Kiste trommelt zwischen 75 und 80 der Hauptständer ans Trittbrett, ausgerechnet in dem Geschwindigkeitsbereich, in dem wir überwiegend fahren. Mein Gehör nimmt langsam Schaden. Hätte besser einen leiseren Helm gewählt…

Meistens fahren die alten MiTa-Hasen Robin und Michi vor, die schon wissen, wo die kleinen Blitz-Richtungspfeile sich verstecken. Ich kann sie meistens nicht entdecken, an jedem Kreisverkehr sind mindestens 30 Schilder, auf denen sie sich verstecken können.

Nachmittags geht’s dann ins Landesinnere auf kleineren Straßen. In einer steilen Steigung geht meinem Hinterrad beim Überholen direkt vor einem LKW die Luft aus. Zum Glück war der Laster bergauf nur im Schrittempo unterwegs… Das Ersatzrad ist dank museumsreifem Reifen, mangelndem Luftdruck und reichlichen Einsatz von Armor All erstmal unfahrbar. Aber das gibt sich nach 50km. Bei der abendlichen Reparatur finde ich einen Nagel in der Lauffläche des platten Reifen. Dank an Michi für den neuen Schlauch. Wo wir schon mal dabei sind, wechseln wir auch einen Schaltzug an Franzens SS, der sich aufzulösen beginnt (nicht der Franz).

Für den Abend organisiert Robin eine Museumsbesichtigung bei ….Robin: bitte nachtragen!

Nicht nur Vespa, sondern alles, was es an Rollern gibt, ich glaube, ich kannte nicht mal die Hälfte der Exponate, sehr beeindruckend.

 

Mi, 10.07., 3. Etappe, Assisi – Colli del Tronto, 319km

Jetzt geht´s richtig in die Berge, das Fahren wird interessant. Zudem wird’s deutlich wärmer. Die SS vom Franz fängt an, im LL abzusterben und springt dann schlecht an. Michi´s GS schließt sich an und will warm auch angeschoben werden. Das ist sicher die Strafe dafür, dass ich bei jedem Start seine Ölnebelschwaden einatmen muß. Um die Mittagszeit gibt´s dann ein kräftiges Gewitter. Ich halte erst an, als ich schon klatschnass bin und ziehe dann meine Regenklamotten an. Schlimmer trifft´s Michi in seinem Baumwoll-Ganzkörperkondom. Ihm bleibt mangels Regenkombi nicht anderes, als einfach weiterzufahren. Eine halbe Stunde später können wir unsere Sachen dann wieder bei einer Etappenpause bei schönstem Sonnenschein trocknen.

Do, 11.07. 4. Etappe, Colli del Tronto – Isernia, 278km

Wieder geht´s den ganzen Tag bei schönstem Sonnenschein durch schönste Landschaften, fast schon langweilig. Es wird gefahren, was die 8 bis 10 PS hergeben. Nach den Etappenpausen wird regelmäßig die Jagd auf vor uns fahrende Fahrzeuge eröffnet. Als erstes wird regelmäßig eine Gruppe italienischer Vespisti überholt, die es etwas langsamer angehen lassen. Dann sind die langsamen Gespanne dran. Die beiden ganz vorn fahrenden Guzzinis mit den Start nummern 1 und 2überholen wir nur auf den längsten Etappen, die sind in der Ebene auch mit 70km/h unterwegs (flachliegend im engen Leder-Einteiler).

Abends haben wir Glück, daß wir mit den ersten im Hotel einlaufen. Kurz danach gibt´s wieder ein kräftiges Gewitter, daß den meisten anderen Teilnehmern eine kräftige Dusche verabreicht.

Fr, 12.07. 5. Etappe, Isernia – Potenza, 360km

Die längste Etappe geht über die kleinsten Nebenstraßen mit dem schlechtesten Straßenzustand und ist damit eine würdige Königsetappe. Die schlechten Straßen fordern ihren Tribut. Ein deutscher Zahnarzt zertrümmert seine Rudge Ulster. Er darf dann mit Gips im Besenwagen mitfahren. Ein deutscher Teilnehmer mit einer 50er Kreidler geht es ähnlich. Als er versucht, in unserer Gruppe mitzufahren, geht ihm in einer engen, stellenweise sandigen Linkskurve die Straße aus. Seine Kreidler landet an einer Mauer, was ihr nicht gut bekommt. Ihm ist, auch wegen seiner protektorenbestückten Lederkombi, nichts passiert. Wir fahren danach auch eine zeitlang etwas gemäßigter, ein ähnlicher Sturz in Jeans wäre vielleicht nicht so relativ glimpflich ausgegangen.

Sa, 13.07. 6. Etappe, Potenza-Taranto, 276km

Die letzte Etappe läßt die Tour auf ebenen Straßen ausklingen, das letzte Teilstück wird gemeinsam mit allen Teilnehmern mit Polizeieskorte bis zum Ziel in Taranto gefahren. Das ist etwas nervig, da viele Teilnehmer Motorräder ohne jegliche Schalldämmung fahren (vor allem die Schweizer, die ja zuhause gar nichts dürfen). Zudem wird jede Lücke im Pulk zum Überholen ausgenutzt, als ginge es um den Titel in der Formel Eins.

An einem Straßenkiosk trinken wir mehrere Caipirinha, das Hotel finden wir im angetrunkenen Zustand gerade noch so.

So, 14.07. Rückflug

Vormittags machen wir noch kleine Stadtrundfahrt und lassen die Woche ausklingen.

Der Spediteur für die Roller verspätet sich leider, so daß wir die Verladung nicht kontrollieren können. Bei der Ankunft der Roller sind dann auch ausgerechnet Michis und Robins Roller beschädigt…

Zudem hat Robin Ryan Air gebucht für den Rückflug nach Mailand. War günstig. Hat allerdings vergessen, den von Ryan Air verlangten Online-Check-In zu machen. Kostete dann zusätzlich 85.- Bearbeitungsgebühren plus 120.- Gepäckgebühren. Das zum Thema Billigflieger. Ich fliege problemlos mit Air Dolomiti ohne Aufpreis nach München, Robin hat noch ein paar wichtige Geschäfte in Milano zu erledigen.

Fazit:

Es war eine sehr anstrengende Tour mit insgesamt ca. 1900km. Das Fahren mit einer tollen Gruppe hat viel Spaß gemacht. Die Straßen wurden nach Süden kontinuierlich schlechter, mit einer Lampe unten wäre das sicher kein Spaß gewesen. Die Landschaft wurde dagegen im gleichen Maß interessanter. Und man hatte den Eindruck, daß die Leute im Süden wirklich dankbar waren für etwas Abwechslung.

Wir waren jeden Tag von Morgens bis Abends im Sattel. Hatten bei den Zeitkontrollen nach den längeren Etappen jedoch meist ca. 1 Stunde Zeit zum Essen, Kaffeetrinken, Erholen. Da wir unterwegs nicht Schrauben mussten, hat sich der Stress in Grenzen gehalten. Das war aber auf unseren insgesamt fast 8000-Vespa-km wohl eher ein Ausnahmefall.

Die Wertung wird bei den Zeitmessungen entschieden. Michi wurde in in seiner Klasse Dritter. Wir anderen kamen unter ferner liefen an, die Pokale waren aber nur ein wenig kleiner als die der ersten drei.

Hotels und Verpflegung waren teilweise recht mittelmäßig, das war in den vorhergehenden Jahren  wohl besser.

Zu den italienischen Rollerfahrern hatten wir kaum Kontakt. Wahrscheinlich haben wir sie zu oft überholt. Optisch störend fand ich die ca. 25 neueren Motorräder der „Assaggiatori“-Klasse (vom Veranstalter treffend mit „Verkoster“ übersetzt). Die sahen wir tagsüber allerdings nur vereinzelt, da sie ohne vorgegebene Start- und Ankunftszeitenzeiten fahren.

Ich werde aber wohl nochmal teilnehmen, vielleicht mit einem Guzzino, da bin ich wenigstens beim Start ganz vorne.

 

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